Die Glöckchen der Weißen Deutschen Edelziege sind gut zu erkennen.

Warum haben Ziegen Glöckchen am Hals und welche Funktion haben sie?

Zipfel, Bommel oder doch Säckchen?

Für die Hautausstülpungen, die die Paarhufer an ihren Hälsen tragen, sind vielerlei, meist umschreibende Namen gebräuchlich; Zipfel, Bommel, Troddeln, Quasten, Zotteln oder Hautsäckchen. Dabei ist die eigentliche Bezeichnung der Appendices (lat. für Zusatz, Anhang) colli (lat. für Hals) Glöckchen oder Berlocken. Im Englischen werden sie als Wattles bezeichnet.




Zu finden sind die behaarten Glöckchen im Kehlbereich von Paarhufern wie Ziegen. Obwohl es unabhängig von der Rasse genetisch von den Eltern an ihr Junges weitergegeben werden kann, sind diese Hautauswüchse den vom Menschen domestizierten Ziegenrassen vorbehalten. Ziegen-Wildformen – allerdings keine verwilderten Hausziegenrassen – tragen keine Glöckchen. Man vermutet daher, dass es sich um ein anatomisches Merkmal handelt, welches ein Produkt von Züchtungen ist. Glöckchen treten auch bei Schweinen, wie bei dem danach benannten Glöckchenschwein, sowie vereinzelt bei Schafen auf.

Wo wachsen Glöckchen?

Zumeist paarweise auftretend und mit Fell bedeckt, wachsen die Hautanhängsel meist an der Halsunterseite, selten auch weiter in Ohrnähe, allerdings immer im Kopfbereich von Ziegen und anderen Paarhufern.

Die Funktion der Glöckchen

Zunächst vermutete man, dass es sich bei den Auswüchsen um rudimentäre Drüsen handelte. Mittlerweile liegt es nahe, da lediglich domestizierte Ziegenrassen dieses anatomische Merkmal aufweisen, dass es sich um keine Überbleibsel von Drüsen handeln kann. Tatsächlich fanden sie laut „Journal of Animal Breeding and Genetics “ aus dem Jahr 1957 erst durch Eugène Eudes-Deslongchamps, einem französischen Paläontologen, erstmals Erwähnung.

Der Aufbau der Hautsäckchen setzt sich zusammen aus urchblutetem Bindegewebe, Knorpel, Muskulatur und Nerven, jedoch keine Drüsen oder deren verkümmerten Überbleibsel. Eine eindeutige biologische Funktion konnte bis heute nicht nachgewiesen oder erklärt werden. Auszuschließen ist allerdings, dass es sich um krankheitsbedingten Auswüchse handelt.

Journal of Animal Breeding and Genetics – Band 69

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